in der Südsteiermark

Eselwandern

Home | Fotos | Der wahr gewordene Eseltraum vom 12.06.2016

Der wahr gewordene Eseltraum

12.06.2016

Bettina und Emily

Als Kind im Volksschulalter hatte ich einige Jahre lang zuhause einen sehr alten Esel, den meine Mutter aus dem Tierheim geholt hatte. Er war ein lieber, treuer Gefährte, dem ich viele schöne und lustige Erlebnisse verdanke.  

Die vertraute, stille und liebevolle Verbindung mit dem Tier zählt zu den Schätzen meiner Erinnerung. Wenn inzwischen auch Jahrzehnte vergangen sind, blieb die Affinität zum Grautier bestehen. So war ich begeistert von der Idee einer Eselwanderung und sehr froh, dass sich eine liebe Freundin ohne Zögern und frohen Mutes auf das gemeinsame Abenteuer einer einwöchigen Eselwanderung in der Südsteiermark einließ.

Ein Telefonat mit Horst Winkler beseitigte unsere Zweifel ob der schlechten Wetterlage und so freuten wir uns nach längerer Anfahrt aus dem Norden Österreichs, unsere langohrige Begleiterin Emely am ersten Tag gesattelt in Startposition vorzufinden. Nach einer humorvollen, sehr nützlichen und gründlichen Einschulung und einer mehrstündigen Probewanderung am ersten Tag war der Funke gesprungen, wir waren sicher: ja, das wollen wir wirklich! Und so ging die Reise gleich anschließend mit Emely im Hänger ins bezaubernde Wanderdorf Soboth. Von da an waren wir auf uns gestellt und wanderten eine Woche lang langsam und beständig von Hütte zu Hütte, unbelastet von schwerem Gepäck, das Emely geduldig für uns trug. Mit ihrem sanften, aber auch kecken Gemüt hat sie unser Herz erobert. Dass das Fressen am Wegesrand nur in den Pausen gestattet ist, war nicht so einfach durchzusetzen. So ein Eselchen hat eine Menge Tricks auf Lager und wir waren froh, dass wir von Horst Winkler darauf vorbereitet worden waren. Wenig nützte die gute Vorbereitung, als wir uns den Dutzenden Kühen gegenüber sahen, die sich alle gleichzeitig vom Mittagsschlaf erhoben und immer schneller immer näher kamen. Da wurde uns schon mulmig zumute. Mit einem großen Stock und ruhiger Stimme ließen sich die massigen Tiere auf Abstand halten. Emely marschierte ungerührt durch. Nur einmal blieb sie wie angewurzelt stehen, als sie meine Angst vor den Kühen spürte. Durch nichts war sie zum Weitergehen zu bewegen. Ihre stoische Ruhe hat sich schließlich auf mich übertragen, während meine Freundin die Kühe vertrieb, und auf einmal ging es munteren Schritts weiter. Nicht unnötig Energie verschwenden in Stresssituationen und sich besser auf sich selbst verlassen als auf andere, die nervös an einem zerren - das ist doch äußerst klug und nicht stur. Was haben wir noch gelernt von der "Diva Emely", wie sie uns vorgestellt wurde? Was glücklich macht: nicht beeilen, dann hat man mehr vom Vogelgesang, der wunderbaren Natur und Landschaft. Nicht Musik hören, sondern selber singen. Das Ziel vergessen, vielmehr da sein, wo man gerade ist. Die Stunden nicht zählen. Sich freuen an Begegnungen. Nicht bewerten, sondern wertfrei erleben. Freiheitsgefühle. Vertrauen. Zum Beispiel aufs Wetter: wir warteten in den gemütlichen Hütten einfach auf Regenpausen und die kamen verlässlich jeden Tag genau so lange, wie wir unterwegs waren. Die lieben Hüttenleute haben uns bis dahin stets vorzüglich bewirtet. Einmal spielte Emely mit dem Hund eines Hüttenwirts Fangen und wirkte richtig fröhlich und ungestüm. Jeden Tag wälzte sie sich nach den Wanderstunden mit Genuss. Morgens sprang ich jeden Tag ohne einen Blick in den Spiegel aus dem Bett und mein erster Weg führte zu Emely, die mich mit lautem I A begrüßte. Wir drei waren ein gutes Team.

Vielen herzlichen Dank - wir kommen gerne wieder.

Mit einem lieben Gruß,
Bettina und Hertha

Und hier sind ein paar Fotos von mir